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Artenreichste
Wüste der Welt
Ist es wirklich dieselbe Ebene? Das vor wenigen Wochen
herrschende Grau, Beige und Braun ist zartem Gelb, Rosa
und Violett gewichen; wo sich Geröll und Sand bis
zu den Bergen am Horizont ausbreiteten, wogt nun ein
Blütenmeer. |
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Die
blühende Wüste ist ein tief bewegendes Naturschauspiel,
das Tausende Besucher Jahr für Jahr in das Namaqualand
an der Westküste Südafrikas zieht. Dasselbe
Schauspiel bietet sich in der Gegend südwestlich
von Aus. Das ist kein Zufall, denn beide Gebiete gehören
zur selben Wüste - der Sukkulenten Karoo. |
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Ihren
Namen verdankt sie den Pflanzen, die das Gros der Vegetation
auf den Kies- und Sandflächen bilden: Mehrjährige
kleine Sträucher, die das Wasser in Blättern,
Zweigen und Stämmen speichern und daher als Sukkulenten
bezeichnet werden. Das Khoisan-Wort 'Karoo' bedeutet
soviel wie 'Halbwüste'. |
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Hauptmerkmal
und Unterschied zur benachbarten Nama Karoo ist
der Winterregen, den das Gebiet erhält (April
bis September).
Im Gegensatz zu den heftigen und oft örtlich
begrenzten Wolkenbrüchen im Sommer (Ende
Januar bis März) fällt der Regen sanft
und flächendeckend. An der Küste sorgen
Nebel und Wind für Feuchtigkeit und gemäßigte
Temperaturen. Der vorherrschende, kräftige
Südwestwind allerdings gleicht oft einem
lebensfeindlichen Sandstrahlgebläse.
Die Regenmenge schwankt je nach Gegend zwischen
20 mm und 100 mm pro Jahr, ist aber im Jahresvergleich
relativ konstant. Im Winter kann es bis minus
2 Grad Frost geben, so dass auch Schnee fällt;
im Sommer herrschen in einigen Gebieten bis zu
45 Grad.
Die potenzielle Verdunstung beträgt |
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das 25- bis
150-fache der jährlichen Regenmenge. |
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Die Sukkulenten
Karoo ist das artenreichste Wüstensystem der Welt,
entstanden in Jahrmillionen langer Evolution. Zur Vielfalt
tragen vor allem die Blattsukkulenten bei - mit etwa
1.700 Arten. Stammsukkulenten dagegen sind nur mit 130
Arten vertreten. Ein Beispiel für den Einfallsreichtum
der Natur sind die 'lebenden Steine' (Lithops), deren
Wasser speichernde Blätter kaum aus dem Boden hervorstehen
und als Steinchen getarnt sind - als Schutz vor Sandsturm
und Fraß der Tiere. |
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Das Gebiet
der Sukkulenten Karoo im Südwesten Namibias gilt
als 'Wilderness', also vom Menschen unberührte
Natur. Diesen Umstand hat sie nicht zuletzt einem vom
Menschen besonders geschätzten Gestein zu verdanken,
das Hunderte Kilometer weiter südöstlich bei
Kimberley in großen Mengen zu Tage trat: dem Diamant.
Nach dem Bruch des Ur-Kontinentes Gondwana vor rund
120 Mio. Jahren sorgte feuchtes Klima für starke
Erosion, die im Südwesten des afrikanischen Bruchstückes
etwa 2 bis 3 km an Gesteinen abtrug, darunter auch den
oberen Teil der diamanthaltigen Kimberlit-Schlote. Haupttransporteur
war der Gariep (Oranje), der die Diamanten in den Atlantik
spülte, wo sie auf ufernahen Terrassen abgelagert
wurden. Später sank der Wasserspiegel und legte
diese Terrassen frei. |
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Bei Kolmanskuppe
30 km östlich von Lüderitz wurden 1908 die
ersten dieser Diamanten gefunden. Um die Förderung
zu kontrollieren, erklärte die deutsche Kolonialmacht
die Küste bis zur Mündung des Gariep/Oranje
sowie eine 100 km breite Pufferzone landeinwärts
zum Sperrgebiet. Da die Diamantenförderung sich
auf die Küste beschränkte, blieb der Rest
des Gebietes praktisch unberührt. |
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In der Sukkulenten
Karoo sind 80 Wirbeltier-Arten zu Hause. Mehr als 20
davon sind endemisch (kommen also nur dort vor), darunter
eine Schildkröte, ein Chamäleon und ein Vogel. Typische
Wildarten sind Gemsbock, Springbock, Strauß, Schakal
und an der Küste die Bräune Hyäne. Die Wilden Pferde
westlich von Aus sind nicht heimisch, sondern leben
dort erst seit 1915. |
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Menschen
haben lediglich den Rand der Wüste bevölkert
(wie die Bethanier Oorlam im Osten und an der Küste)
oder sind, dem Wild folgend, durchgezogen (wie die San/Buschleute). |
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